Kosten und KPI

Audiokurs

Einleitungssätze…

Audioskript

Bekanntermaßen sind wir Menschen soziale Wesen. Als soziale Wesen suchen wir die Nähe von anderen, suchen die Abstimmung und die Interaktion untereinander und das gegenseitige Feedback, beispielsweise auf unser Verhalten, unsere Leistung unseren Rang und so weiter.

Dieser Wunsch nach Interaktion gilt nicht nur im privaten Umfeld, in der Familie, im Sportverein oder im Freundeskreis, sondern ebenso in unserem beruflichen Kontext. Der Wunsch von Bewerberinnen und Bewerbern nach einem „kollegialen“ Umfeld trifft regelmäßig auf die Anforderung nach „Teamfähigkeit“ in Stellenanzeigen.

Aber was genau bedeutet eigentlich Teamfähigkeit eigentlich? Wie können Führungskräfte diese Kompetenz erkennen und die Zusammenarbeit in Teams fördern, unterstützen, begleiten? Wie können wir überhaupt erkennen, ob ein Team gut funktioniert oder nicht? Um solche Fragen soll es in diesem Kurs gehen, in dem wir uns damit befassen „starke Teams zu entwickeln“.

(akustischer Einwurf?)

Zusammenarbeit von Menschen

Die Interaktion von Menschen kann verschiedene Formen annehmen, daher beginnen wir mit der Frage: „was genau ist eigentlich ein Team?“ Oft wird eine Gruppe von Menschen als Team betrachtet, die ein gemeinsames Ziel verfolgen oder ähnliche Ziele gemeinsam verfolgen.

Viele von uns haben die Erfahrung einer Lerngruppe gemacht, während der Schule oder im Studium. Typischerweise hat man sich in bestimmten Abfolgen verabredet, um gemeinsam den Lernstoff zu bewältigen, sich auszutauschen, um sich über bestimmte Schwierigkeiten hinweg zu helfen, aber doch auch, um den Erfolg der bestanden Prüfung teilen und gemeinsam feiern zu können.

Der eine oder die andere von uns hat dabei aber auch erlebt, dass Lerngruppen recht instabile Organisationsformen waren, zum Beispiel, weil sich manche für die Gruppe mehr engagiert haben als andere, und dadurch die Stimmung in Schieflage geraten ist. Oder dass manche Gruppenmitglieder plötzlich gar nicht mehr erschienen und dem vermeintlich gemeinsamen Ziel einfach eine Absage erteilt haben. Letztlich konnte es sogar ratsam scheinen, den Weg zur Prüfung doch besser allein zu bewältigen.

Das bedeutet also für die Zusammenarbeit von Menschen,

  1. dass sie auf freiwilliger Basis gut funktionieren kann, weil die allermeisten von uns eine starke intrinsische Motivation zur Zusammenarbeit empfinden
  2. dass gemeinsam verfolgte Ziele eine so starke Bindung herstellen können, dass wir uns gegenseitig zur Erreichung unterstützen, solange eine ökonomische Balance für jedes Teammitglied herrscht, und
  3. dass die Attraktivität von Zusammenarbeit in einem hohen Zusammenhang mit der Möglichkeit und dem Erleben gemeinsamer Erfolge steht.

Am Beispiel unserer Lerngruppen haben wir jedoch auch gesehen, dass fehlende Strukturen sich ebenso hinderlich auf die Zusammenarbeit auswirken können wie die mangelnde Abstimmung über die Zieldefinition. Um der Zusammenarbeit einen passenden Rahmen zu geben, verwenden wir im beruflichen Kontext gerne Begriffe wie Team oder Crew oder in der neuen Arbeitswelt beispielsweise auch Tribe. Der Einfachheit halber spreche ich im Folgenden von Team und wir sehen uns erstmal an, was genau denn ein Team nun ist.

Was genau ist ein Team?

Stellen wir uns dazu eine Gruppe von Menschen auf einem Ausflugsboot vor, das auf dem Weg zu einer Insel mit einem schönen Strand ist. Auf dem Boot sitzt eine gut gelaunte Touristengruppe, die sich auf den Tag auf der Insel freut und sich über ihre Pläne austauscht.

Ebenfalls auf unserem Boot sind aber auch Menschen, die die Aufgabe haben, die Touristinnen und Touristen dort sicher hinzubringen und wieder abzuholen. Sagen wir, es gibt einen Skipper, einen Navigator, eine Reiseleiterin und einen Koch für das leibliche Wohl während der Tour.

Obwohl unsere Touristen alle das gleiche Ziel haben, würden wir sie nicht als Team bezeichnen. Sie alle bleiben Individuen, die sich zwar auf einem Teil der Strecke austauschen und gegenseitig begleiten, die sogar abends auf den gelungenen Tag anstoßen mögen und sich vielleicht für weitere Unternehmungen verabreden. Die Gruppe definiert sich durch gleichgerichtete Vorhaben und einem Gemeinschaftsgefühl, das sich aus Ähnlichkeiten speist. Dennoch entstehen keinerlei Abhängigkeiten und nur eine geringe Verbindlichkeit in der Abstimmung.

Ganz anders ist es bei unserem Team mit der Reiseleiterin, dem Skipper, dem Koch und dem Navigator auf dem Ausflugsboot. Sie verbindet – zumindest für diesen Tag – ein gemeinsames Ziel, zu deren Erfüllung alle verbindlich beitragen. Jede und jeder durch individuelle Kenntnisse, Fähigkeiten und Aufgaben und im aufeinander abgestimmten Zusammenspiel.

Mit diesem Bild wird sofort der Unterschied klar: die Touristengruppe ist unabhängig von Anzahl der Teilnehmenden und auch von bestimmten Kompetenzen oder Merkmalen der Mitglieder. Es spielt auch keine Rolle, ob Familie Meyer heute oder morgen diesen Ausflug unternimmt und es spielt ebenfalls keine besonders große Rolle, ob die Ausflugsgruppe 10 oder 20 Individuen umfasst, sofern das Boot noch Kapazitäten hat.

Was jedoch unsere Schiffscrew betrifft, so ist es sehr wohl wichtig, dass diese vier nicht nur pünktlich von Beginn bis zum Ende der Reise zur Verfügung stehen, sondern auch, dass sie die passenden Kompetenzen und Erfahrungen mitbringen und ihre Aufgaben souverän beherrschen. Sie kommunizieren aufgabenbezogen und treffen jeweils anstehende Entscheidungen. Klar erkennbar bilden sie ein Team, und ermöglichen die ganze Reise erst durch ihre Zusammenarbeit.

Ihre individuellen Ziele können dabei ganz unterschiedlich sein. Ob der Skipper in erster Linie eine Verdienstmöglichkeit über den Sommer sucht, der Navigator neue Erfahrungen mit unterschiedlichen Gewässern sammeln möchte, die Reiseleiterin sich ihren Traum verwirklicht und der Koch die besondere Arbeitsatmosphäre auf See schätzt, im Vordergrund der Zusammenarbeit steht die gemeinsame Aufgabe, alle Touristinnen und Touristen sicher auf die Insel und wieder zurückzubringen.

Sechs Merkmale

Mit diesem Bild im Kopf können wir sehr schnell erkennen, ob eine Gruppe als Team agiert oder nicht. Dabei helfen uns diese sechs Merkmale:

  1. Ein Team hat eine gemeinsame Aufgabe, die mindestens in zeitlicher und qualitativer Hinsicht definiert ist. Diese Aufgabe ist in Teilaufgaben gegliedert, die idealerweise nach Anforderung und Umfang auf die Teammitglieder zugeschnitten sind. Schwierig kann es werden, wenn Aufgaben sich innerhalb oder außerhalb der Teamarbeit überlagern, wenn sich Prioritäten oder Zielvorgaben ändern oder Erwartungen nicht kommuniziert werden.
  2. Jedes Teammitglied verfügt über einschlägige Kompetenzen, die zur Erfüllung der gemeinsamen Aufgabe unabdingbar sind. Es ergibt sich daraus eine klar erkennbare und eindeutige Verteilung der Rollen und Zuständigkeiten. Dadurch sind in der Zusammenarbeit weit kreativere, innovativere und effizientere Ergebnisse möglich, als durch die Arbeit Einzelner oder eben von Gruppen. Die Herausforderung am Anfang der Teamarbeit besteht in der gegenseitigen Abstimmung und Anerkennung dieser Zuständigkeiten.
  3. Die Anzahl der Teammitglieder ist durch Art und Umfang der Aufgabe definiert. Fehlende Mitglieder können den Erfolg ebenso in Gefahr bringen, wie überzählige Kapazitäten das Ergebnis verzögern, wie wir später noch genauer sehen werden. Auch der Austausch von Teammitgliedern kann sich die Teamleistung beeinträchtigen und sollte vermieden oder zumindest sehr behutsam vorbereitet werden.
  4. Die Zusammenarbeit innerhalb eines Teams ist durch gegenseitiges Vertrauen, gute Kommunikation und Verbindlichkeit geprägt. Hier wird der Unterschied zur Gruppe besonders deutlich, für deren gemeinsamen Erfolg es bereits genügt, dass man sich nicht besonders unsympathisch ist. Unser Skipper jedoch kann seine Aufgabe nur wahrnehmen, wenn er den Informationen des Navigators unmittelbar und vorbehaltlos vertrauen kann. Die individuellen Persönlichkeiten und Bedürfnisse der Teammitglieder können jedoch auch zu Spannungen und Konflikten führen. Nur eine offene und empathische Atmosphäre kann diese bewältigen.
  5. Teams bilden in der Zusammenarbeit gemeinsame Werte und Normen aus, die von allen geteilt werden und die die Basis für gegenseitiges Vertrauen schaffen. Daraus entwickeln sich Verhaltensregeln, Kommunikations- und Entscheidungswege, wie auch Rituale, beispielsweise zum Feiern eines Erfolgs. Gegenseitiger Respekt spielt dabei eine besonders große Rolle, da nur dadurch die Stärke der Vielfalt an Wissen, Erfahrungen und Perspektiven zum Tragen kommen kann. Auch unterschiedliche Arbeitsstile und Bedürfnisse beispielsweise an Strukturen und Regeln finden in einer funktionierenden Teamumgebung ihren Raum.
  6. Teams sind in der Lage, auf Veränderungen flexibel zu reagieren und effizient und sachgerecht Entscheidungen zu treffen. Unsere Reiseleiterin beispielsweise wird die Abfahrtszeit von der Insel nach Rücksprache mit dem Skipper und unter Berücksichtigung von Wetterlage und Windsituation festlegen. Funktionierende Teams treffen ihre Entscheidungen selbst und unter Berücksichtigung aller ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen. Dazu ist es erforderlich, dass offen und gleichberechtigt diskutiert und abgewogen werden kann.

Rahmenbedingungen für die Teamarbeit

Betrachten Sie unter diesen Aspekten Ihre unmittelbare Arbeitsumgebung. Teamarbeit findet typischerweise in Projekten oder zu funktionsübergreifenden Themen statt. Je komplexer die Aufgaben, umso größer ist die Bedeutung funktionierender Teamstrukturen. Letztlich basiert auch eine erfolgreiche Unternehmensführung auf dem vertrauensvollen Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Expertisen, Erfahrungen, Perspektiven und Rollen.

Insbesondere durch die Anforderungen der sogenannten neuen Arbeitswelt sind Teams und ihre Erfolgsfaktoren wieder stärker in den Fokus geraten. Führungskräfte verstehen es dabei als ihre zentrale Aufgabe, die Zusammenarbeit in Teams zu ermöglichen, zu organisieren, zu unterstützen und zu fördern.

Wie wir gesehen haben, ist dazu eine Reihe von Prämissen notwendig. Den Anfang macht eine gut definierte und kommunizierte Aufgabenbeschreibung. Strategisch abgeleitete Ziele besprechen wir unter anderem in den Kursen zur Strategie-entwicklung und zur stärkenbasierten Führung. Bereiten Sie für das Team ein umfassendes Briefing zur Aufgabenstellung und den erwarteten Ergebnissen vor.

Die Auswahl der Teammitglieder ist ein weiterer wesentlicher Schritt. Dabei spielen deren Kompetenzen und Verfügbarkeit eine ebenso große Rolle wie Stärken, Entfaltungsmöglichkeiten und Motive. Nur, weil jemand navigieren kann, heißt das noch nicht, dass er oder sie es auch tun wird. Sprechen Sie mit jeder und jedem einzelnen über die gegenseitigen Erwartungen.

Für die Zusammenarbeit in Teams hat unter anderem der Psychologe und Organisationsentwickler Bruce Tuckmann Modelle geschaffen, um die Maßnahmen zu erkennen, mit denen Führungskräfte Teamarbeit fördern. Diese wollen wir uns später gemeinsam näher ansehen.

Doch denken wir vorerst immer daran: Menschen sind soziale Wesen und müssen zur Zusammenarbeit mit anderen nicht erst überredet werden. Was wir brauchen, sind die passenden Rahmenbedingungen. Wie Sie diese identifizieren und gestalten, sehen oder hören Sie in den folgenden Kapiteln.